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'''Vegetarismus''' (wie ?Vegetarier?, über englisch ''vegetarian'', und englisch ''vegetable'' von wird hingegen auf alle Nahrungsmittel und Konsumgüter tierischen Ursprungs verzichtet.

Der Vegetarismus wird auch als typischerweise im einstelligen Prozentbereich.

Begriff und Begriffsgeschichte

Die Wörter ?Vegetarismus? und ?Vegetarier? sind seit Ende des 19. Jahrhunderts bezeugte, heute allgemein gebräuchliche gekürzte Formen der zuvor üblichen Bezeichnungen ?Vegetarianismus? und ?Vegetarianer?.

Die Wortbildung ''vegetarian'' wird vom ''Oxford English Dictionary'' auf ?Mitte 19. Jahrhundert? datiert. Allgemein gebräuchlich wurde ''vegetarian'' erst durch die Gründung der englischen ''Vegetarian Society'' im Jahr 1847. Hiermit beschrieben die Gründungsmitglieder der Gesellschaft Individuen, die weder Fleisch noch Geflügel oder Fisch essen.

Hahns Bekenntnis zum Vegetarismus wurde von anderen Anhängern der frühen Naturheilkunde fast ausnahmslos als Grundsatz der naturgemäßen Lebensweise übernommen. 1868 stellte Rudolf Virchow fest:
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Stark vom Werk Hahns beeinflusst kam 1866 der '', in Anknüpfung an das 1872 erschienene Buch ''Thalysia oder Das Heil der Menschheit'', die deutsche Fassung eines 1840?1842 veröffentlichten Werks des führenden französischen Vegetariers Jean-Antoine Gleizes.

Als weiterer wichtiger Begründer der vegetarischen Bewegung in Deutschland gilt der badische Jurist und revolutionäre Republikaner und Umgebung einen vegetarischen Verein, der noch heute besteht. 1869 ? zehn Jahre nach Hahns ''Die naturgemäße Diät, die Diät der Zukunft'' ? erschien sein Werk ''Pflanzenkost, die Grundlage einer neuen Weltanschauung'', das die vegetarische Bewegung nachhaltig beeinflusste. Hierin begründet Struve seinen Verzicht auf Fleisch ethisch und mit einer gesundheitlichen Selbsterfahrung im Winter 1831/32.

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gewann die vegetarische Bewegung an Bedeutung. Zahlreiche Vereine wurden gegründet. 1892 schlossen sich zwei Dachverbände zum ?.

Die Begründungen für eine fleischlose Lebensweise waren unterschiedlich, teils sogar gegensätzlich. Einerseits sollte das Tier vor dem Menschen geschützt werden, andererseits der Mensch vor dem Verzehr von Tieren. Eine dritte Richtung, die im Kaiserreich von einer Vielzahl von Initiativen und Gruppen vertreten wurde, betonte die Aspekte des Tierschutzes und einer für möglich gehaltenen Veredelung der Menschheit durch Verzicht auf Fleischgenuss. Ein prominenter Vorreiter dieser Strömung war ? unter dem Einfluss von Gleizes ? Konnotationen eine wichtige Rolle.

Es gab aber immer auch Strömungen und Personen, bei denen die Forderung nach Vegetarismus Teil linker, sozialistischer oder anarchistischer, Politik und eingebettet in emanzipatorische Imperative war. So spielte Vegetarismus im ).

Entwicklung seit dem 20. Jahrhundert

Nachdem sich bereits im 19. Jahrhundert mehrere nationale Vegetarierverbände gebildet hatten, entstand im Jahr 1908 die : ''Hitler. Eine Biographie.'' Frankfurt am Main 1973, S. 74 ff.</ref>

In der Schweiz war es der Arzt Maximilian Oskar Bircher-Benner (1867?1939), der eine vegetarische Vollwertkost als Heilmethode vertrat. Das von ihm entwickelte laktovegetabile hat nicht nur bei Vegetariern internationale Verbreitung gefunden. 1946 wurde die ''Vegetarier-Union Deutschlands'' gegründet, die zeitweilig (1974?1985) den Namen ''Bund für Lebenserneuerung'' trug und nach 1985 ''Vegetarier-Bund Deutschlands'' hieß. Seit März 2008 trägt der Verein den Namen ''Vegetarierbund Deutschland.''

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Mitte der 1970er Jahre entstand die Tierrechtsbewegung, als deren Auslöser Peter Singers Buch ''Animal Liberation'' gilt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass einerseits der Pro-Kopf-Konsum von Tierprodukten und insbesondere Fleisch überall auf der Welt in den letzten 50 Jahren gestiegen ist und den Prognosen nach weiter steigen wird,

Deutschland

Nach der Nationalen Verzehrsstudie von 2007 mit 20.000 Teilnehmern ernähren sich in Deutschland 1,6 % der erwachsenen Bevölkerung (Männer 1 %, Frauen 2,2 %) fleischlos (entweder vegetarisch oder mit Einbeziehung von Fisch). 0,1 % der Studienteilnehmer bezeichneten sich als vegan. Laut Gallup-Umfragen bezeichneten sich zwischen 1984 und 1993 im Vereinigten Königreich 2,1 % respektive 4,3 % der Befragten als Vegetarier. Eine Umfrage des ''Realeat Survey Office'' von 1995 setzt diesen Trend fort und findet 4,9 % erwachsene Vegetarier. In der Gruppe der 16- bis 25-jährigen Frauen gaben in derselben Umfrage 12,4 % an, Vegetarierinnen zu sein. Die Zahl derjenigen, die ?kaum oder kein Fleisch? konsumierten, sich jedoch nicht als ?Vegetarier? bezeichneten, war bei allen Umfragen etwa doppelt so hoch. Eine Studie der University of Bradford im Auftrag der ''Vegetarian Society'' von 1991 befragte rund 1000 Erwachsene sowie 2500 junge Erwachsene (11?18 Jahre) und konnte die These der höheren Affinität von jungen Erwachsenen und insbesondere von jungen Frauen zum Vegetarismus erhärten.

USA

Eine landesweite Studie des Landwirtschaftsministeriums der Vereinigten Staaten von 1977 bis 1978 fand unter 37.000 Befragten 1,2 % Vegetarier, allerdings gaben manche der Teilnehmer, die sich selbst als Vegetarier bezeichneten, an, selten auch Fische oder Hühner zu essen. Die ''Vegetarian Ressource Group'' veröffentlicht seit 1994 alle drei Jahre die Ergebnisse einer landesweiten Umfrage durch das Roper Center in den USA. Dort werden Menschen gefragt, welche Nahrungsmittel sie niemals essen. 1994 befanden die Autoren davon ausgehend 0,3 % bis 1 % der Befragten für Vegetarier.

Indien

In einer Studie von ''The Hindu-CNN-IBN'' gaben 40 % der Befragten an, Vegetarier zu sein, darunter überproportional viele Hindus, Frauen und ältere Menschen.

Einer neuen Umfrage zufolge wurde dieser Prozentsatz zu hoch angesetzt, insgesamt sind lediglich 20 % der Inder Vegetarier, wobei in Indore ihr Anteil mit 49 % am höchsten ist.

Organisationen

In Deutschland informiert neben zahlreichen weiteren regionalen und überregionalen Organisationen u. a. der Vegetarierbund Deutschland (VEBU) über die vegetarische Lebensweise. Er gibt die Zeitschrift ''natürlich vegetarisch'' heraus und ist in Regionalgruppen organisiert. In der Schweiz besteht der Verein Swissveg. Er gibt die Zeitschrift ''Veg-Info'' heraus. In Österreich gibt es die Österreichische Vegetarier Union (ÖVU). Dort kann das vierteljährlich erscheinende Magazin ''anima'' gegen eine Spende bestellt werden.

Der ''Welt-Vegetarier-Tag'' (1. Oktober) ist ein internationaler Aktionstag; vergleichbar mit dem ''Weltvegantag'' (1. November). Ersterer wurde am Welt-Vegetarier-Kongress in Schottland 1977 von der ?North American Vegetarian Society? eingeführt, inzwischen gilt die Zeit zwischen den beiden Daten als Vegetarian Awareness Month (etwa: ''Bewusstsein für Vegetarier-Monat'').

Ein regelmäßigerer Aktionstag sind die ?vegetarischen Wochentage?, die vorwiegend öffentliche Einrichtungen zu einer Küche mit weniger Fleisch motivieren wollen. Sie finden in einigen Städten wöchentlich und häufig an Montagen und Donnerstagen statt.

Die (EVU) ist eine Dachorganisation für vegetarische Vereine und Gruppen in Europa und arbeitet in den Bereichen Vegetarismus, , Gesundheit, Verbraucherschutz, Kampf gegen den Hunger in der Welt, Tierrechte, und allgemeine Information. Die Internationale Vegetarier-Union (IVU) ist eine mit dem Ziel, den Vegetarismus weltweit zu fördern.

Vegetarische Restaurants

Sternerestaurants

Seit 2013 wird das Restaurant ''Tian'' in Wien unter Paul Ivic mit einem Michelinstern ausgezeichnet, seit 2017 das Restaurant ''Cookies Cream'' in Berlin unter Stephan Hentschel.

Das Zwei-Sterne-Restaurant ''Lafleur'' in Frankfurt am Main unter Andreas Krolik bietet seit mehreren Jahren vegane Menüs an.

Betriebsgastronomie

Das amerikanische Unternehmen WeWork, das auch Büros in Deutschland betreibt, serviert seit 2018 bei Veranstaltungen, die in eigenen Gebäuden stattfinden, kein Fleisch mehr. Es werden zudem keine Auslagen für nicht-vegetarische Gerichte erstattet.

Die ''WBS Training AG'' stellt laut ihrem Gemeinwohl-Bilanz-Bericht 2015 bei Meetings, Tagungen und Firmenevents grundsätzlich vegetarisches Essen bereit.

Hiltl

Das Restaurant Hiltl in existiert seit 1897 und ist damit das älteste vegetarische Restaurant der Welt.

Vegetarische Haustierhaltung

Es kommt vor, dass vegetarisch lebende Hunde- und Katzenhalter gängiges Tierfutter ablehnen und ihre Haustiere fleischlos ernähren. Laut darauf eine gesundheitlich gebotene Futterumstellung unmöglich machen.

Literatur

  • Evi Zemanek und Sophia Burgenmeister: ''Fleischloser Humor: Der frühe Vegetarismus im Zerrspiegel der Karikatur'', Virtual Exhibitions 2019, No. 5, Rachel Carson Center for Environment and Society, 2019,
  • Gundolf Keil: ''Vegetarisch.'' In: ''Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung.'' Band 34, 2015 (2016), S. 29?68.
  • (Hrsg.): ''Antike Medizin. Ein Lexikon.'' München 2005, Sp. 890?892.
  • : ''Naturgemäße Lebensführung. Zur Geschichte der Lebensreform um die Jahrhundertwende.'' Frankfurt 1997.
  • .'' 4/1997, S. 24?30 Link.
  • Helmut Wurm: ''Der Einfluß der Ernährung auf die menschliche Konstitution unter besonderer Berücksichtigung des Nahrungseiweißes. Eine Zusammenstellung von Ansichten, Beobachtungen und Lehrmeinungen von der Antike bis zur Gegenwart.'' (= ''Ernährung und Konstitution'', 1) In: ''Würzburger medizinhistorische Mitteilungen.'' Band 3, 1985, S. 283?320, passim.
  • Adolf Just: ''Kehrt zur Natur zurück! Die Heilweise der Natur nach ewigen Gesetzen.'' 12. Auflage. 1930.

Dokumentarfilme

  • ''Earthlings'' (2005, kommentiert von und mit Musik von Moby)
  • Devour the Earth (YouTube) Dokumentation der englischen Vegetarierorganisation (VSUK) aus dem Jahre 1995, kommentiert von Paul McCartney (mit Untertiteln)
  • vom 8. April 2014

Weblinks

  • ? kindergesundheit-info.de: unabhängiges Informationsangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
  • Vegetarierbund Deutschland
  • Swissveg
  • Internationale Vegetarier-Union (IVU)

Einzelnachweise